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Berufsperspektiven Bachelor-Juristen

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Bachelor
Verfasst am: 28.02.2010, 16:04    Antworten mit Zitat
Unaone Unaone
Anmeldedatum: 07.05.2007 Beiträge: 5
Immer wieder kommt in diesem und in anderen Foren die Frage auf, was man denn mit einem juristischen / wirtschaftsrechtlichen Bachelorabschluss für Berufsaussichten hat. Von Volljuristen werden übelste Szenarien heraufbeschworen (Arbeit auf Reno-Niveau, jur. Hilfstätigkeiten usw.), die mich bei meiner Entscheidung, nach einem gescheiterten Examen den Bachelor zu versuchen, zumindest verunsichert haben. Da ich mir vorstellen kann, dass es vielen Kollegen hier ähnlich gehen könnte, schildere ich einfach mal meine Erfahrungen mit dem Abschluss, um ein wenig Mut zu machen.

Wie ich schonmal vor längerer Zeit geschrieben habe, hab ich mich damals für die FU Hagen entschieden. Dies war für mich der einzig gangbare Weg, da ich mir das Studium selbst finanziert habe.

Zum Studium selbst:
Einige Module ziemlich hart, andere kann man als fast-fertiger Jurist etwas leichter nehmen. Da man sich aber natürlich viele Module ohne Note anrechnen lassen kann, um die Studiendauer (und die Kosten) zu verkürzen, zählen plötzlich alle anderen Module überproportional viel: 60% der Endnote werden aus dem Durchschnitt der Modulklausuren gebildet. Also heißt es: Von Anfang an ranklotzen. Durch die Einsendeaufgaben, die fristgerecht eingereicht (und bestanden) werden müssen, um die Abschlussklausuren mitschreiben zu dürfen, wird man hierzu zusätzlich angehalten. Präsenzzeiten gibt es eher wenige, was schade ist für den persönlichen Kontakt, aber andererseits die Flexibilität bei der Studienplanung erhöht. Insbesondere in der Abschlussphase fand ich den Kontakt zu meinem Betreuer (Prof, kein WiMi) sehr konstruktiv und persönlich, was sich dann natürlich auch ein wenig in der Note niedergeschlagen hat.

Da ich meine Seminar- und (darauf aufbauend) meine Bachelorarbeit über ein recht wirtschaftsnahes Thema geschrieben habe, hat sich der Wunsch verstärkt, in dieser Richtung später zu arbeiten und mich umfassend weiterzubilden.

Nun stellt sich immer die finanzielle Frage... Man ist ja auch schon älter als andere, soll man das Risiko eingehen und weiter studieren? Ein weiteres Fernstudium kam jedenfalls nicht in Betracht, da man doch sehr, sehr einsam ist und der Austausch in der Bibliothek, Mensa, Flurfunk mir gefehlt hat. Nach langen Gesprächen mit meiner Freundin hab ich den Schritt gewagt: Über einen Studienkredit konnte ich mir ein nicht-konsekutives (Präsenz)Masterstudium BWL am anderen Ende Deutschlands finanzieren.

Persönlich und finanziell eine harte Zeit, Trennungsphasen, Fernbeziehung. Man kommt an seine Grenzen und verflucht die deutsche Bahn bei jeder Fahrpreiserhöhung. Und von den paar-BWL Kursen in Hagen auf ein annehmbares Masterniveau zu kommen war auch harte Arbeit mit vielen durchgelernten Nächten. Durch den Kredit hatte ich wenigstens den Rücken frei, um nebenbei nicht auch noch arbeiten zu müssen und konnte mich auf mein neues Studium voll konzentrieren. Glücklicherweise ging ich, gingen wir gestärkt aus dieser Phase hervor. Das war im Frühjahr letzten Jahres. Seitdem hat sich einiges getan.

Trotz meines fortgeschrittenen Alters (29) und meines alles andere als idealen Lebenslaufs arbeite ich seit Sommer als Referent in der Innenrevision eines Sozialversicherungsträgers: Genau an der Schnittstelle von Recht und Wirtschaft. Angestelltenverhältnis hD-äquivalent. Kurioserweise verdiene ich also mittlerweile mehr Geld, als die meisten meiner damaligen Mitstudenten im StEx-Studiengang (von denen viele nach meinem "Versagen" nix mehr mit mir zu tun haben wollten und nun nach dem Ref Wohnzimmerkanzleien betreiben). Mein wenig blumiger Werdegang war nach Aussage meines Vorgesetzten damals Einstellungskriterium. Seiner Meinung müsse sich ein Revisor durchbeißen können und das hätte ich ja unter Beweis gestellt.

Was will ich damit sagen? Erstmal möchte ich das verzerrte Bild von den Tätigkeitsfeldern wirtschaftsjuristischer Berufe zurechtrücken. Mein Arbeitgeber sucht z.B. für den Revisionsbereich gezielt Wirtschaftsjuristen. Und nicht für irgendwelche Hilfsarbeiten.

Und natürlich will ich (wie ich ja auch oben schon geschrieben hab) Mut machen. Das Examen ist nicht alles und manchmal geht das Leben seltsame Wege. Für jemanden, der gerade frisch "durchgerasselt" ist, hört sich das wahrscheinlich extrem geschwallt an. Aber nach einer Zeit, die man einfach braucht, um so einen Schicksalsschlag zu verdauen, kommt man an einen Punkt, an dem man inne hält und seinen persönlichen Plan B - das Leben nach dem Examen - ausarbeitet. In der Regel dürfte man dabei feststellen, dass man nicht an mangelnder Intelligenz gescheitert ist. Die Gründe sind vielfältig: Studium als Verlegenheit, dadurch mangelnder Einsatz, Krankheit, fehlende Anlagen (vernetztes Denken), man nimmt das Examen zu leicht (Faulheit) oder schlicht und einfach Pech. Bei mir war es wohl eine Kombi aus den beiden letztgenannten Gründen (insbesondere bei meinem ersten Versuch in der mündl. Prüfung). Will sagen: Ohne eine anständige Manöverkritik, was bisher falschgelaufen ist, nutzt einem kein neues Studium etwas (denn das wird einem nicht deshalb hinterher geworfen, weil man mal ein paar große Scheine gemacht hat).

So, das wars jetzt aber mit meiner LLB-Story. Ist doch länger geworden, als ich ursprünglich gedacht hatte und ich will ja niemanden ermüden. Ich wünsche jedem, der mit so einer Herausforderung fertig werden muss, viel Kraft und Ausdauer und natürlich - nicht zu vergessen - das manchmal notwendige kleine Quäntchen Glück!
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D.D.
Verfasst am: 03.03.2010, 17:56    Antworten mit Zitat
Unaone Unaone
Anmeldedatum: 02.09.2009 Beiträge: 9 Wohnort: NRW
Danke für diesen Beitrag!

Ich denke,dass es viele hier im Forum gibt, denen Dein Beitrag Mut macht und ihnen Kraft gibt. Es ist schön etwas positives zu lesen!
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sarah27
Verfasst am: 03.03.2010, 19:24    Antworten mit Zitat
Terrathree Terrathree
Anmeldedatum: 21.03.2009 Beiträge: 45 Wohnort: Berlin
Vielen Dank für deinen tollen Beitrag!
Er ist wirklich sehr ermutigend!

Sitze selber an meinem letzten (dritten) Versuch zum ersten Examen und mich packt immer wieder die Versagensangst.
Nach all den finanziellen, gesundheitlichen und privaten Rückschlägen hoffe ich, dass es alles gut wird.

Und wie du schon sagst: auch wenn einen die alten Kommilitonen verlassen und man Gelgsorgen hat und durchdas Examen rasselt: das Leben geht weiter und es gibt immer einen Plan B!
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Bachelor
Verfasst am: 04.03.2010, 21:10    Antworten mit Zitat
Unaone Unaone
Anmeldedatum: 07.05.2007 Beiträge: 5
sarah27 hat Folgendes geschrieben:
Vielen Dank für deinen tollen Beitrag!
Er ist wirklich sehr ermutigend!

Sitze selber an meinem letzten (dritten) Versuch zum ersten Examen und mich packt immer wieder die Versagensangst.
Nach all den finanziellen, gesundheitlichen und privaten Rückschlägen hoffe ich, dass es alles gut wird.

Und wie du schon sagst: auch wenn einen die alten Kommilitonen verlassen und man Gelgsorgen hat und durchdas Examen rasselt: das Leben geht weiter und es gibt immer einen Plan B!


Danke für die Blumen... Ich hatte erst die Befürchtung, dass es zu abgehoben klingen könnte. Daher freut es mich natürlich umso mehr, wenn ich ein wenig Mut machen konnte.

In diesem Sinne wünsch ich gutes Gelingen im Examen!
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nick84
Verfasst am: 15.04.2010, 19:20    Antworten mit Zitat
Unaone Unaone
Anmeldedatum: 15.04.2010 Beiträge: 1
Ja danke. Wirklich super Beitrag. Ich schreibe in 3 Tagen meinen letzten Versuch. Wollte mich zwar vorher nicht über Alternativen informieren (Motivation!!), aber man kann ja doch nicht anders.
Ist der bachelor eigentlich die driekte Ablösung des Wirtschaftsjuristen FH?
Gruss
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