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"Post-Examensdepressionen" Wer kennt sie auch nach

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arubano
Verfasst am: 12.09.2009, 03:39    Antworten mit Zitat
Unaone Unaone
Anmeldedatum: 12.09.2009 Beiträge: 3
Hallo,

hätte ja nie gedacht, dass ich mich mal verzweifelt an ein Internetportal wenden würde.
Ich bin allerdings gerade mehr als frustriert und von Zukunftsängsten geplagt. Ich habe im April diesen Jahres mein 2. Examen abgeschlossen. Leider ist es nicht so gut gelaufen und ich habe nur 5,67 Punkte einheimsen können. Da mein Erstes mit 6, 89 Punkten auch kein Brüllerexamen war, komme ich mir wie der letzte Juraversager vor! Erschwerend kommt hinzu, dass ich ganze 14 Semester(!) für mein Studium gebraucht haben und somit nun mit 33 Jahren eher zum alten Eisen bei den Berufseinsteigern zähle. Außer ein abgebrochenes Zweitstudium der Indologie, kann ich leider auch keine Promotion und auch kein LL.M vorweisen. Zudem scheine ich auch komplett an der Realität vorbei studiert zu haben: Europa und Völkerrecht waren meine Steckenpferde, aber von Wirtschafts- und Arbeitsrecht habe ich zum ersten mal was im Ref. gehört. Nun bin ich vom ehemals unerschütterlichen Optimisten zum Jammerlappen verkommen, da ich mich noch nicht mal traue aus Scham, aktiv Bewerbungen zu schreiben.
Als Anwalt habe ich mich eh nie gesehen und wollte mich eher in Richtung Wirtschaft / Verbände / Verwaltung orientieren, möglichst mit einem internationalen Bezug, aber auch da werden Erwartungen gestellt, die ich entweder in notentechnischer (VB-Examina) oder auch in fachlicher Hinsicht (Studienschwerpunkt Arbeits-, Gesellschafts-, Steuer- oder Wirtschaftsrecht) nicht erfüllen kann.

Außer zwei grottenschlechten Examina habe ich zwar Praktika in Dehli und in Buenos Aires, eine Wahlstation in Sao Paulo, verhandlungssicheres Englisch, Spanisch, Niederländisch und Portugiesisch sowie gute Französisch- und akzeptable Hindikenntnisse zu bieten, nur mich beschleicht das Gefühl, dass dies kein Arbeitgeber so richtig interessiert. Ich komm mir echt vor wie der letzte Penner und muss aufpassen, dass mein Lebensstil und -mut nicht mit dem der Protagonisten von irgendwelchen Frauentausch-, Mitten-im-Leben- oder andern Sozialdepri-Sendungen verschmilzt.

Jetzt hat mir das Arbeitsamt einen Fachanwaltslehrgang im Steuer- oder Arbeitsrecht und Wirtschaftsrecht angeboten.
Nun zu meinen Fragen:
Hatte jemand nach dem 2. Examen auch das lähmenden Gefühl, dass man eigentlich gar nichts kann und das man sowieso keine Chance auf einen einigermaßen geglückten Berufseinstieg hat?

Ist es sinnvoll, angesichts meines herangerückten Alters noch vor dem Berufseinstieg einen derartigen Fachanwaltslehrgang zu machen?

Grüße
Arubano
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joepep
Verfasst am: 12.09.2009, 10:42    Antworten mit Zitat
Bissotwo Bissotwo
Anmeldedatum: 01.06.2009 Beiträge: 28
Du siehst die Sache mieser als sie tatsächlich ist:

Examina sind zwar nicht gut, aber es gibt viel mehr Schlechtere. Dafür super Fremdsprachenkenntnisse, internationale Erfahrung und einen roten Fadens in der Ausbildung. Orientier dich doch einfach hin zu den Bereichen aus Praktika und Wahlstation.

Ansonsten bestehen immer noch Chancen bei derAnwaltschaft: Kollege hatte ein schlechteres Examensgesamtbild und ist dennoch gut untergekommen, wegen Fremdsprachen, Interessenschwerpunkt, guten Praktika und Stationen, seines sonst guten Eindrucks.

Hinsichtlich Arbeitsamt sei kritisch wegen Zwischenparkens und Zeitverlust. Den FA mach nur, wenn du dich zumindest ein wenig für das Zeug interessierst, sonst wirst du darin keinen Spaß haben, geschweige denn gut sein.
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arubano
Verfasst am: 12.09.2009, 11:47    Antworten mit Zitat
Unaone Unaone
Anmeldedatum: 12.09.2009 Beiträge: 3
Danke für die Antwort.

Anwaltschaft kommt bei mir eigentlich nicht so ganz Betracht Confused . Mir geht es auch darum, dass man nach 2 (mittelprächtig) bestandenen Examina dass Gefühl hat, dass man eigentlich gaaar nichts kann. Kennt ihr das auch?
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dummes Äffchen
Verfasst am: 12.09.2009, 18:33    Antworten mit Zitat
Terrathree Terrathree
Anmeldedatum: 19.11.2008 Beiträge: 56 Wohnort: Baden-Württemberg
Hi arubano!

Also, ich muss mich ja schon sehr zusammennehmen, um Dir noch 'ne verständnisvolle Antwort schreiben zu können Wink !

Mag sein, dass Du keine 2 x VB hast, haben viele nicht!

Dafür hast Du 'ne ganze Menge, was Dich interessant macht, was Dich aus der Masse etwas raushebt.

Auch wenn Deinen potentiellen Arbeitgeber Deine Sprachkenntnisse nicht wirklich interessieren (Weil er sie für sich nicht verwerten kann.), so wird er doch sehen, dass da einer/eine ist, die ganz schön viel gemacht hat, Du nicht untätig warst.

Du hast einige ganz zentrale Probleme und stehst Dir nur selber im Weg:

1. Du warst auf eine bestimmte Art von Stelle scharf und bist nun zu unflexibel, Dich mit was anderem anzufreunden.

2. Du ziehst Dich zurück, jammerst, bist ängstlich und drückst Dich vorm "Aktiv in die Bewerbungsphase übergehen".

3. Du hast wahrscheinlich wirklich ein depressives Loch erwischt?!

Alles in allem, versuch' mal auf die Beine zu kommen. Den Anwaltslehrgang würde ich auf alle Fälle mitmachen, der dauert nicht ewig und es ist eine gute Zusatzquali.

Alles in allem musst Du aber an Dir selber arbeiten, an Deiner Einstellung, an Deinem Selbstkonzept und Deinem Selbstmarketing.

Dass man das Gefühl hat, nichts zu können, ist doch nach dem 1. Stex so, dann ist es im Ref dauernd so, nach dem 2. Stex als Berufsanfänger wieder usw..

Das Gefühl, nichts zu können, wird einen solange beschleichen, bis man doch mal etwas Berufserfahrung gesammelt hat. Das ist aber für alle Berufsanfänger so. Der Sprung ins kalte Wasser bleibt keinem erspart.

Alles in allem kann ich es verstehen, wenn jemand subjektiv das Gefühl hat, er hat nichts zu bieten, aber es ist schon krass, wenn die ojektive Situation doch ein gutes Stück dazu abweicht.

Wie gesagt, es geht sehr ums Selbstkonzept und um die Selbstvermarktung.

Man geht da nicht mit der Einstellung hin:"Wer braucht schon Hindi?!", sondern mit der Einstellung:"Ich kann als einer von ganz wenigen Hindi."

Man kann es so und so sehen.
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arubano
Verfasst am: 13.09.2009, 00:37    Antworten mit Zitat
Unaone Unaone
Anmeldedatum: 12.09.2009 Beiträge: 3
Hallo Äffchen,


ich würde sagen, dass du mit allen 3 Punkten sehr ins schwarze triffst.

Zu 1)Hatte ich tatsächlich eine Absage auf eine Stelle, die wie für mich auf den Leib geschneidert erschien. Dort wurden Hindi-, Englisch und(!) Portugiesisch verlangt und auch sonst habe ich das ausgeschriebene Profil nicht . Ich habe mir die Hände gerieben und gedacht, diese beknackte Kombination können doch wirklich nicht viele mitbringen. Wollte trotzdem auf Nummer sicher gehen und habe meine Bewerbung von einer Freundin, die erfahrene Personalerin ist, durchsehen lassen und entsprechend korrigiert (Highlightsetzung , Schlüsselwörter; Präsentation usw).....trotzdem bin ich noch nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden.

Zu 2 und 3) Ja ich weiß dass ich Jammere; hab’ ich selbst auch festgestellt. Ich find’s ja auch befremdlich, da ich nie ein Jammerlappen war. Aber darum geht es mir ja: mich hat diese ganze Jura-Tortur einfach in ein tiefes Loch gerissen. Rational weiß ich das es bestimmt schlimmeres gibt, als nun Volljurist (mit bescheidenen Noten) zu sein. Und ich frage mich nun, ob Jura nicht so manchem (wie mir) am Ende einen Dachschaden beschert?
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dummes Äffchen
Verfasst am: 13.09.2009, 09:17    Antworten mit Zitat
Terrathree Terrathree
Anmeldedatum: 19.11.2008 Beiträge: 56 Wohnort: Baden-Württemberg
Laughing

Ja, ja, das kann gut sein, dass der ganze Jura-Trip bei den Leutchen zu bleibenden (Dach-)schäden führt. Es gibt bestimmt nicht wenige, denen genau das passiert.

Aber jetzt, wo Dich diese fiese Jura-Strömung erfasst hat, muss Du entscheiden, wie Du darauf reagierst und damit umgehst. Entweder Du lässt Dich da reinziehen und mitreißen, bis Du total drin untergehst und absäufst, oder Du kuckst, dass Du Dich da nicht so rein- und runterziehen lässt.

Dh: Du kannst jetzt hinhocken und winseln, dass auf die schöne Stelle, bei der doch DU alles hattest und es doch nicht sein kann und nicht sein DARF, dass da jemand kommt, der offensichtlich Deine Quali noch überbieten konnte.

Aber genau das ist passiert. Und damit hast Du nicht errechnet, es hat Dich kalt erwischt.

Das ist echt Riesenpech! Aber: "Shit happens, arubano!!!" Rolling Eyes

Trag's mit Fassung, geh' damit gelassen um. Sag' Dir, es ist so auch ok. Und das ist es auch; andere müssen auch viele Bewerbungen schreiben.

Mach' was Schönes, tank' ein bisschen auf und dann: Wieder bewerben! Was sonst?

Du hast jetzt die Alternativen:

a) Dich da reinfallen zu lassen und ängstlich und selbstunsicher zu werden, dann hockst Du irgendwann bei einem Fachmann für psychische Probleme.

ODER

b) Du siehst ein, dass die Welt so ist, dass nicht alles super laufen kann und gehst mutig an die Zukunft ran, verschleuderst Deine Kraft nicht mehr damit, an dem Rückschlag jetzt rund um die Uhr zu knabbern.

Es liegt bei Dir. Die Welt kann man nicht anders machen, aber seinen Umgang damit, den macht man selber.

Du kannst gerne rumjammern und heulen, aber es wird Dich nur Kraft kosten, Dir wird's mies gehen und ändern wird sich nichts.

Oder Du hakst das ab, nimmst es nicht so tragisch und machst einfach weiter bis dann wirklich "Deine Stelle" kommt! Damit wird's Dir mittel-und langfristig gut gehen; mit dem anderen nicht.

Alles Gute!

Wink
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